Eine Rabengeschichte, Teil 2

Mit einemmal schelten oben im Wald die Raben, daß es mir in den Ohren kracht. Mit dem Fernglas entdecke ich die Ursache: einen veritablen Steinadler. Von Wipfel zu Wipfel versucht er sich zur Gemse durchzuschlagen, umkreist, attakiert und gescholten von einer Schar Kolkraben. Als der Adler nach einer Viertelstunde abdreht und davonfliegt, sind mir ganz unerwartet seltene Bilder gelungen.
"Raben hassen Adler", sagen die cumberländischen Jäger dazu, die mir Abend für Abend im Gasthaus meine Arbeitsmoral mit langen Geschichten über die Schläue der Kolkraben stärken. Deren lehrbuchwidrige Zurückhaltung beim Fallwild kommentieren sie eher einsilbig mit "No- Na-, Raben riechen das Pulver". Vielleicht halten sie meine Teles für Kanonen ?

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Rat weiß Frau Dr. Thaler vom Alpenzoo in Insbruck, Kennerin der heimischen Vogelwelt, die ich in meinem Dilemma anrufe. Auch sie meint: "Raben sind mißtrauisch und fürchten womöglich, es könnte sich ein Fuchs beim Luder verstecken und ihnen auflauern". Ich soll die Gemse aufbrechen. "Wenn sie Blut und Eingeweide sehen, bekommen sie garantiert ihre Fotos". Wenn es weiter nichts ist. Alsbald klafft der Kadaver. Die Fliegen, die sich an den Eingeweiden laben, kenne ich inzwischen persönlich, aber keiner der Raben nimmt meine Einladung an. Ich warte einen Tag. Die cumberländischen Jäger sagen mittlerweile nichts mehr dazu.....

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